
Migraene ist eine haeufige chronische Erkrankung des Nervensystems, die durch wiederkehrende mittelstarke bis schwere pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, meist einseitig, mit Uebelkeit, Erbrechen, Photophobie und Phonophobie; die Anfaelle koennen Stunden bis Tage andauern. Migraene ist kein blosser Kopfschmerz, sondern eine Erkrankung mit klarer pathophysiologischer Grundlage, die Lebensqualitaet und Arbeitsfaehigkeit erheblich mindert. Die Praevalenz der Migraene ist hoch; bei Frauen ist sie etwa 2-3 mal so haeufig wie bei Maennern und beginnt meist in der Pubertaet und im jungen Erwachsenenalter.
Der Mechanismus der Migraene ist noch nicht vollstaendig geklaert; man geht von einer Aktivierung des trigeminovaskulaeren Systems, neuroinflammatorischen Reaktionen und einer vermehrten Freisetzung von Neurotransmittern wie dem Calzitonin-Gen-verwandten Peptid (CGRP) aus. Genetische Faktoren spielen eine wichtige Rolle, und die meisten Patienten haben eine Familienanamnese. Migraeneanfaelle werden oft durch verschiedene Ausloeser hervorgerufen: nervliche Anspannung und Stress, emotionale Schwankungen; zu wenig oder zu viel Schlaf; die Menstruation (Oestrogenschwankungen um die Periode); bestimmte Nahrungsmittel (Schokolade, Kaese, Rotwein, tyramin- oder nitrithaltige Speisen); Hunger oder zu langes Fasten; grelles Licht, Laerm und Geruchsreize; Wetterwechsel und Erschoepfung.
Das Erkennen und Meiden der persoenlichen Trigger ist ein wichtiger Baustein der Vorbeugung. Migraeneanfaelle verlaufen in typischen Phasen. In der Prodromalphase (Stunden bis einen Tag vor dem Anfall) koennen Stimmungsschwankungen, Gaehnen, Nackensteifigkeit, Appetitaenderungen und Konzentrationsstoerungen auftreten.
In der Aura-Phase (etwa bei jedem vierten Patienten) zeigen sich reversible fokale neurologische Symptome, am haeufigsten visuelle Auren wie Blitze, Skotome, Wellenlinien oder Gesichtsfeldefekte, auch Sensibilitaetsstoerungen (taube Haende, Nadelstiche) und Sprachstoerungen, die meist 5-60 Minuten dauern. In der Kopfschmerzphase stehen ein- oder beidseitige pulsierende mittelstarke bis starke Schmerzen im Vordergrund, die sich bei Bewegung verschlimmern und von Uebelkeit, Erbrechen, Licht- und Laermempfindlichkeit begleitet werden; in der Erholungsphase fuehlt man sich erschoepft und schlapp. Die Anfallshaeufigkeit ist unterschiedlich und reicht von mehreren pro Monat bis zu wenigen pro Jahr; bei haeufigen Anfaellen spricht man von chronischer Migraene.
Die Diagnose der Migraene beruht vor allem auf der typischen Anamnese; bei Vorliegen der internationalen Kopfschmerzkriterien kann die Diagnose gestellt werden, und spezielle Untersuchungen sind meist nicht noetig. Ist der Kopfschmerz untypisch, tritt ein neu aufgetretener starker Kopfschmerz auf, bestehen fokale neurologische Zeichen, ist der Patient aelter oder handelt es sich um den ersten Anfall, sollte eine Schaedel-CT oder MRT erfolgen, um intrakranielle Prozesse oder ein Aneurysma auszuschliessen. Die Behandlung der Migraene gliedert sich in die Akut- und die Prophylaxe.
Waehrend eines Akutanfalls sollte man sich rasch in einen ruhigen, dunklen Raum begeben und fruehzeitig Schmerzmittel nehmen: Bei leicht- bis mittelstarken Anfaellen eignen sich NSAR wie Ibuprofen und Paracetamol; bei mittelstarken bis schweren Anfaellen oder bei Versagen gewoehnlicher Schmerzmittel koennen Triptane (z. B. Sumatriptan, Rizatriptan) eingesetzt werden; dies sind spezifische Migraene-Medikamente, die moeglichst frueh bei Anfallsbeginn genommen werden sollten; manchen Patienten wird ein Brechreizhemmer hinzugefuegt.
Eine prophylaktische Therapie ist bei haeufigen Anfaellen (ab 4 pro Monat) mit deutlicher Beeintraechtigung des Lebens sinnvoll. Uebliche Mittel sind Betablocker (Propranolol), Kalziumantagonisten (Flunarizin), Antiepileptika (Topiramat, Valproinsaeure), Antidepressiva (Amitriptylin) sowie die neueren CGRP-Antikoerper; sie muessen langfristig genommen werden, um Hauefigkeit und Schwere der Anfaelle zu mindern. Eine differenzierte chinesische Medizin und Akupunktur helfen manchen Patienten.
Das Management der Migraene liegt in der taeglichen Vorbeugung. Ein Kopfschmerztagebuch hilft, die persoenlichen Trigger zu erkennen und zu meiden; auf regelmaessigen Schlaf, ausreichend Ruhe, ausgewogene Ernaehrung und massvolle Bewegung ist zu achten, ebenso auf Stressbewaeltigung und Entspannungsverfahren. Die meisten Migraenepatienten koennen durch normgerechte Therapie und Lebensfuehrung Hauefigkeit und Staerke der Anfaelle gut kontrollieren; die Lebenserwartung wird nicht beeintraechtigt.
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